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Über 1.000 t Spannsysteme in Lüftungszentrale Reppischtal eingebaut

Über 1.000 t Spannsysteme in Lüftungszentrale Reppischtal eingebaut

Der 4,4 km lange Uetlibergtunnel ist das Schlüsselbauwerk der neuen, insgesamt 10,6 km langen Westumfahrung Zürich. Die Westumfahrung Zürich schließt als Verbindungsstück zwischen der A1 (Zürich-Bern) und der A3 (Zürich-Chur) eine markante Lücke im Schweizer Nationalstraßennetz. Der gesamte Uetlibergtunnel besteht aus jeweils zwei parallelen Tunnelröhren unter dem Uetliberg und dem Ettenberg, eine für jede Fahrtrichtung. In dem Tal zwischen den beiden Bergen fließt die Reppisch. Diese oberflächennahe Stelle des Uetlibergtunnels im Reppischtal wurde genutzt, um hier die Lüftungszentrale quer zum Tal im Tagbau zu errichten.

Nach Fertigstellung des Bauwerks wird das ursprüngliche Landschaftsbild durch vollständige Überschüttung der Lüftungszentrale wieder hergestellt. Das rekultivierte Bachbett der Reppisch wird genau darüber liegen. Das Einzige, was von außen dann noch auf die darunter liegende Lüftungszentrale hinweist, ist eine offene Zufahrt.

Die Lüftungszentrale ist mit ihrer Länge von ca. 200 m, einer Breite von ca. 55 m und einem umbauten Raum (nach SIA) von 180.000 m3 erheblich größer als eine „normale” Lüftungszentrale. Diese Ausmaße sind für die geplanten, erweiterten Funktionen der Lüftungszentrale auf insgesamt vier Ebenen notwendig. In der untersten Ebene, unterhalb der Fahrbahnebene, befinden sich die Werkleitungen und Kabeltrassen für die Energieversorgung des Uetlibergtunnels sowie die Abwasserleitungen zur Tunnelentwässerung und die Hydrantenleitungen. Hauptverantwortlich für die Dimension der Lüftungszentrale ist der in der 2. Ebene, der Fahrbahnebene, vorgesehene, unterirdische Platz für die Überleitung des Verkehrs zwischen den beiden Tunnelröhren. Zusätzlich zu den beiden Fahrstreifen + 1 Standstreifen in den Tunneln erfolgt im Bereich der Lüftungszentrale eine Erweiterung um jeweils einen weiteren Standstreifen.

In der Ebene über der Fahrbahn befinden sich die eigentlichen Lüftungsvorrichtungen. Im Brandfall können hier Rauch und Brandgase aus dem Fahrraum abgesaugt und über einen Abluftstollen aus dem Abluftkamin auf dem Ettenberg ausgeblasen werden. Der einzige Zugang zur Lüftungszentrale von außen liegt ebenfalls auf dieser Ebene.

Die 4., oberste, Ebene stellt den Stützpunkt der elektromechanischen Einrichtungen des Uetlibergtunnels dar. Hier sind u.a. die Steuerungsanlagen und die Notstromversorgung untergebracht. Auch die Belüftung der Innenräume erfolgt durch die hier installierten Belüftungs- und Klimageräte. Aufgrund ihrer erweiterten Funktion und den damit im Falle eines Brandes notwendigen, erheblichen Reparaturarbeiten, wurden extrem hohe Anforderungen an den Brandschutz gestellt. Die Brandschutzplatten sind 10 cm dick, vorgefertigt und haben betonähnliche Qualität.

Über mehrere Stunden anhaltende Brandtests mit Temperaturen bis 1.350 °C haben hervorragende Standfestigkeit und Isolationseigenschaften gezeigt. Dadurch würden die Temperaturen auf Ebene der unteren Armierung und Vorspannung wirkungsvoll auf unter 150 °C begrenzt. Die Lüftungszentrale Reppischtal wurde als monolithische Struktur konstruiert. Sie wurde quer, längs und teilweise vertikal vorgespannt. An den Übergängen zu den Tunneln ergaben sich Fugen. Die Lüftungszentrale ist auf Auftrieb von 14 bis 18 m dimensioniert und trägt nach Überschüttung die Auflasten von 2 bis 15 m, inklusive Bachbett der Reppisch.

Als Bewehrungsanschlüsse zwischen Wänden und Decken wurden von der SpannStahl AG GEWI® Systeme geliefert. Die Lüftungszentrale wurde durchgehend als "weiße Wanne" konzipiert. Die beiden Obergeschosse mit den elektromechanischen Anlagen werden zusätzlich noch mit einer "schwarzen" Abdichtung mit Polymerbitumendichtungsbahnen PBD gegen Oberflächenwasser geschützt. Alle Vorspannarbeiten für dieses anspruchsvolle Bauvorhaben wurden von der ARGE Vorspannung LZ Reppischtal, bestehend aus den Firmen SpannStahl AG, Stahlton AG und Geniteam SA, ausgeführt. Die gelieferten und eingebauten Vorspannsysteme beliefen sich insgesamt auf eine Länge von ca. 70 km.

Für die bis 1,5 m starke Fundamentplatte wurde außerdem ein Spezialbeton mit Abbindeverzögerung eingesetzt. Das Vorspannen der Fundamentplatte mit den eingebauten Längsund Querspanngliedern musste innerhalb kürzester Zeit ausgeführt werden, bevor der Beton nach drei Tagen ausgehärtet war. Die Baustelle blieb leider nicht von dem Hochwasser, das im August 2005 weite Teile Mitteleuropas in Mitleidenschaft zog, verschont.

Bauzeitverzögerungen waren die Folge. So musste z.B. die Produktion der Brandschutzplatten zeitweise eingestellt werden, da das Fertigteil-Betonwerk überflutet war. Trotzdem soll der ursprüngliche Fertigstellungstermin der Lüftungszentrale Mitte 2006 eingehalten werden.

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