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Erster Auftrag für das Verschieben einer Taktschiebebrücke in Polen

Erster Auftrag für das Verschieben einer Taktschiebebrücke in Polen

Die zweispurige Schnellstraße S3 ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Westen Polens. Sie wird nach ihrer geplanten Fertigstellung 2015 im Norden von Swinemünde an der Ostsee bis zur Tschechischen Grenze im Südwesten Polens führen. Die Brücke WS-09 zwischen Meseritz und Züllichau in Polen ist Teil dieses Projektes.

Die 404 m lange Brücke besteht aus zwei parallel verlaufenden Brückenkonstruktionen mit Einzelspannweiten von 34 m + 8 x 42 m + 34 m. Die Brücke weist eine anspruchsvolle Gradientenführung auf, da sie sowohl eine horizontale Krümmung als auch eine vertikale Neigung von 1,6 % hat.

Ursprünglich sollten beide Brückendecks mit Hilfe eines mobilen Vorschubgerüsts (Movable Scaffolding System, MSS) erstellt werden. Da das Projekt unter hohen Termindruck stand und die beiden Fahrbahnen deshalb parallel gebaut werden mussten, suchte der Auftragnehmer kurzfristig als Beschleunigungsmaßnahme nach einer alternativen Lösung.

Der Auftraggeber fragte bei DSI Polen einen technischen Sondervorschlag an. Als sinnvolle Alternative entschloss man sich sehr schnell dazu, das zweite Brückendeck im Taktschiebeverfahren zu erstellen. DSI unterstützte den Bauherrn bei der Optimierung des Hohlkasten-Querschnitts und der Spanngliedführung. Zusätzlich unterstützte DSI die Baustelle in Bezug auf die benötigten Änderungen der Baukonstruktion wie z.B. die Verstärkung des Widerlagers für die Taktschiebe-Anlage. DSI stellte zudem das komplette technische Equipment zum Taktschieben bereit.

Die Mitarbeiter der DSI lieferten das benötigte Know-how und unterstützten die Baustelle bei der Ausführung und der Überwachung der Baumaßnahmen. Anfang August 2012 begann DSI sofort mit der Umsetzung einer wirtschaftlichen und für die Anforderungen optimalen Lösung. Diese berücksichtigte sowohl die komplexe Geometrie der Brücke als auch den Stand der Baumaßnahmen und trug dem äußerst knappen Zeitrahmen bis zur geplanten Fertigstellung des Überbaus Rechnung.

DSI schlug dem Auftraggeber als optimale und wirtschaftliche Lösung die Erstellung des Brückenüberbaus im Taktschiebeverfahren vor. Die Kalkulation und Wirtschaftlichkeit überzeugten den Auftraggeber. Innerhalb von nur sechs Monaten wurden technische Probleme auf Grund der komplexen Geometrie bei einer Ausführung im Taktschiebever- fahren gelöst. Im selben Zeitraum wurde das neue Bauverfahren an den bis dato erreichten Baustand angepasst, so dass der enge Zeitrahmen zur Fertigstellung des Brückendecks erfolgreich eingehalten wurde. Ende August 2012 begann DSI Polen bereits mit der Produktion der ersten Segmente. Dafür musste im Vorfeld noch das Widerlager, auf dem die Taktschiebeanlage montiert wurde, verstärkt werden.

DSI lieferte für dieses Projekt folgende Produkte und Systeme:

  • Vorbauschnabel mit hochfesten Verbindungen und Spannstahllitzen
  • DYWIDAG-Stabspannglieder zur Rückverankerung der Taktschiebeanlage, der Taktschiebelager und des Vorbauschnabels
  • DYWIDAG-Litzenspannglieder mit Verbund
  • Taktschiebe-Anlage Eberspaecher AH-317 mit einer Hublast von 2.200 t, einer Schubkraft von 9.120 kN und einer Bremskraft von 4.290 kN – eine der stärksten derzeit auf dem Markt verfügbaren Anlagen
  • 22 Hubzylinder mit je 100 t zum Einheben der Schalung in das Taktschiebelager
  • 4 Hubzylinder mit je 500 t für den Austausch der Führungslager
  • 22 Taktschiebelager zur Verringerung der Reibungskräfte an den Stützen

Die meisten Taktschiebebrücken werden in einem 7-Tage-Zyklus erstellt. Üblicherweise müssen erst drei bis vier Mehrfeldträger produziert werden, bevor man einen optimalen 7-Tage-Zyklus erreicht.

Auf Grund der optimalen Arbeitsvorbereitung und der guten Zusammenarbeit auf der Baustelle konnte hier bereits mit dem zweiten Teil des Brückenüberbaus der 7-Tage-Zyklus erreicht werden. Der gesamte Überbau wurde hierzu in 10 Abschnitte (9 x 42 m + 1 x 26 m) unterteilt. Das Verschieben eines Mehrfeldträgers dauerte nur 7 Stunden, was eine Vorschubgeschwindigkeit von 6 m pro Stunde ermöglichte.

Der Bau der einzelnen Mehrfeldträger bzw. Hohlkastenquerschnitte erfolgte abschnittsweise hinter dem Widerlager im sogenannten Taktkeller. Dienstags und mittwochs wurde jeweils die Schalung ausgerichtet, die Bewehrung eingebaut sowie die Hüllrohre und Spannglieder in der Schalung montiert. Donnerstags wurden die 42 m langen Mehrfeldträger in der Schalung betoniert und die Spannglieder des jeweils davor installierten Feldes injiziert. Freitag und Samstag benötigte der Beton zum Aushärten in der Schalung. Montags wurde die Schalung gelöst, der Mehrfeldträger um einige Millimeter angehoben und der Brückenabschnitt zusammen mit dem zuvor hergestellten Abschnitt/Takt über den Pfeilern verschoben, um den darauf folgenden Abschnitt herstellen zu können.

Die von der Firma Eberspächer geschulten DSI-Mitarbeiter bauten die Taktschiebe-Anlage vor Ort auf und führten die Verschiebearbeiten erfolgreich im 7-Tage-Zyklus durch. Auf Grund der komplexen vertikalen Krümmung und des gewählten Taktschiebeverfahrens mussten die einzelnen Mehrfeldträger millimetergenau positioniert werden, um Probleme beim Verschieben der nachfolgenden Segmente zu vermeiden.

Dank des weltweiten Austauschs von Know-how innerhalb des DSI-Netzwerks konnte DSI Polen eine technisch gute und schnelle Lösung für das Projekt anbieten. Die komplette Herstellung des Brückenüberbaus und das Verschieben der Brückenabschnitte wurden innerhalb des knappen Zeitrahmens erfolgreich fertiggestellt. Abschließend mussten an den Pfeilern die für das Verschieben benötigten Gleitlager gegen dauerhafte Brückenlager ausgetauscht werden. DSI Polen zeigte bei diesem Projekt eindrucksvoll die hohe Kompetenz und das weltweit verfügbare Know-how der DSI als spezialisiertem Systemlieferant für technisch anspruchsvolle Lösungen.

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