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Historisches Gebäude mit DYWIDAG-Stabspanngliedern an neuen Standort verschoben: Der Kaisersaal in Berlin

Historisches Gebäude mit DYWIDAG-Stabspanngliedern an neuen Standort verschoben: Der Kaisersaal in Berlin

Nach dem Wegfall der Berliner Mauer muß der ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost- und West-Berlin neu bebaut werden. Ein Schlüsselpunkt der Bauaktivitäten stellt hierbei die Neugestaltung des Potsdamer Platzes dar, auf dem bis zum Jahre 2000 u.a. das Dienstleistungszentrum „Sony Center“ entstehen soll (s. auch DSI Info 5, S.24, DEBIS-Projekt). In diesen Gebäudekomplex sollen auch die noch bestehenden denkmalgeschützten Teile (Kaisersaal, Frühstückssaal) des im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstörten Grand-Hotels Esplanade integriert werden. Der Kaisersaal mußte hierzu um ca. 75 m an einen neuen Standort versetzt werden.

Das 1908 errichtete Hotel Esplanade zählte zu den berühmtesten und prunkvollsten Hotelbauten der Kaiserzeit. Der aus zwei Geschossen bestehende Kaisersaal enthält im Obergeschoß einen im Neobarock dekorierten roten Salon, der mit seinen prächtigen Säulen, Spiegeln und Stuckverzierungen ein wahres Kleinod der Berliner Baukunst um 1900 darstellt. Das Gebäude stand jedoch der zukünftigen Straßenführung und der Neubebauung des Potsdamer Platzes im Weg. Um den Kaisersaal zu retten, mußte er aus dem verwahrlosten Restbestand des ehemaligen Hotels Esplanade herausgelöst und als Ganzes verschoben werden.

Für die Verschiebung wurde unter dem Kaisersaal, nach Herstellung der notwendigen Gebäudeunterfangungen, ein Trägerrost aus drei Längs- und fünf Querträgern angefertigt. Um die Tragwirkung der aus Beton B 45 bestehenden Träger zu erhöhen, wurden sie jeweils mit 12 DYWIDAG-Stabspanngliedern Ø 36 mm St 1080/1230 mit aufgewalztem Gewinde zentrisch vorgespannt. Um Hebepunkte auch außerhalb des Gebäudes zu erhalten, wurden die Träger mit Betonsegmenten verlängert. Hierzu wurde ein Großteil der Spannglieder mit glatten DYWIDAG-Stabspanngliedern über Muffen verlängert. Da die Anhebesegmente nach dem Verschub wieder beseitigt werden mußten, wurde hier eine Vorspannung ohne Verbund gewählt. Insgesamt lieferte die ALLSPANN, Niederlassung Berlin, 96 14,8 m lange Spannglieder mit 72 je 1,2 m langen Verlängerungen.

Der Kaisersaal wurde anschließend mittels hydraulischer Pressen um 2,5 m angehoben. Nun konnten Verschubmodule für die Luftfilmgleittechnik unterhalb des Trägerrostes installiert werden. Diese Module erzeugen ein Luftpolster, auf dem das 1300 t schwere Gebäude an seine neue Position verschoben wurde. Dabei mußte das Gebäude zweimal im schwebenden Zustand gedreht werden.

Seit 1999 ist der Kaisersaal dem Publikum wieder zugänglich.

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